Sie haben große und vielfältige Erfahrung in der Geotechnik. Sie sind international bekannt als Experte für die künstliche Bodenvereisung. Wie funktioniert diese Methode zur Bodenstabilisierung eigentlich?
Diese Methode macht sich den physikalischen Umstand zu Nutze, dass Boden unterhalb des Grundwasserspiegels Wasser enthält, welches beim Gefrieren in Eis übergeht und dadurch extrem stabil und wasserdicht ist. Der Baugrund wird mittels einer oder mehrerer Reihen von vertikalen, horizontalen oder geneigten Rohren, die im Untergrund installiert werden, gefroren. Durch den konstanten Durchfluss von Kältemittel in den Rohren - Sole oder flüssiger Stickstoff - wird dem Boden Wärme entzogen und rund um die Röhren bildet sich ein ringförmiger Gefrierkörper. Vergleichbar mit dem Zement in Beton, bindet das Eis die Bodenpartikel und verleiht dem gefrorenen Boden dadurch Festigkeit und Dichtheit.
Typische Anwendungen sind das Abteufen und der Verbau tiefer Schächten (tiefer als 600 m),tiefe Baugruben, Tunnelbau, Querschläge zwischen Schächten bzw. Tunnelröhren, große offene Baugruben, Stützmauern (z. B. Staumauern), vorübergehende Bodenstabilisierungen unterhalb von Fundamenten, vorübergehende Verschlüsse von Lecks und die Abdichtung bei der Verbindung von bestehenden und neuen unterirdischen Bauten.
Worin liegen die Vorteile der Bodenvereisung?
Bodenvereisung ist sicherlich nicht die preiswerteste Methode zur Stabilisierung von Böden, aber sicherlich erste Wahl unter schwierigen Bedingungen, da sie sicherer als alle alternativen Maßnahmen in Bezug auf Wasserdichtigkeit und Stabilität ist. Außerdem ist sie umweltfreundlich, da nach ihrer Anwendung weder Barrieren wie Dichtwände noch chemische Stoffe oder Injektionsmaterial im Untergrund verbleiben.
Haben Sie ein Lieblingsprojekt?
Jedes Projekt ist anders – Tunnel in schwierigen Bodenverhältnissen, instabile Gebäude oder undichte Wände. Jedes Projekt stellt andere Herausforderungen. Es gibt jedoch ein Projekt, das ich niemals vergessen werden – den berühmten, 800 Jahre alten Schiefen Turm von Pisa in Italien. Ende der 1980er Jahre nahm die Neigung so stark zu, dass der „Campanile“ für Besucher geschlossen werden musste. Rund um das alte Fundament des Turmes musste ein neues kreisrundes Fundament errichtet werden, um die Gebäudestruktur zu stabilisieren und eine leichte Korrektur der Neigung vornehmen zu können. Diese Maßnahmen sollten schließlich zu einer dauerhaften Stabilisierung des Turmes und zur Errichtung eines stabilen Fundaments führen. Zur vorübergehenden Stabilisierung des Baugrundes während der Bauausführung kam die Bodenvereisung zum Zuge.
Wie ist Ihre persönliche Beziehung zu Eis?
Nun, als kleiner Junge bin ich gern Schlittschuh auf einem zugefrorenen Teich im Stadtpark gelaufen. Heutzutage bevorzuge ich Eis eher in cremiger Form – als Vanilleeis.