• Trotz beengter Platzverhältnisse entwickelte CDM Smith eine innovative Lösung zur Modernisierung der Ringsend-Kläranlage, die den Anforderungen an die Wasserqualität gerecht wird und die Dubliner Bucht schützt.

Kategorie: Wasser, Design-Build, Europa, Öffentliche Hand

Ein Weg zu sauberem Wasser

Dublin schützt seine Bucht

Die Stadt Dublin liegt an der Dubliner Bucht, in der der Fluß Liffey in die Irische See mündet. Die Bucht beherbergt nicht nur den größten Hafen Irlands, sondern sie ist auch ein beliebtes Naherholungsziel für Einwohner und Touristen. Als ein Herzstück der Stadt ist der Schutz der Bucht den Einwohnern von Dublin ein besonderes Anliegen.

 
„Wir suchten einen ganzheitlichen Ansatz, um diese Herausforderung zu meistern und haben heute die optimale Lösung unter Einhaltung aller Standards der Wasserqualität gefunden,“ sagt Dermont Molphy, Projektingenieur bei der Stadt Dublin. 

Verbesserung der Wasserqualität
In den 1990er Jahren verschlechterte sich die Wasserqualität in der Bucht zunehmend. Die Stadtverwaltung errichtete daraufhin die Ringsend-Kläranlage, um die Bucht vor weiterer Verschmutzung zu schützen. Die Anlage nahm im Jahr 2003 ihren Betrieb auf und stellte in Folge die Wasserqualität in der Bucht wieder her. Zwei Strände erhielten sogar die blaue Flagge gemäß den Bestimmungen der „European Union Bathing Waters Directive“, die eine Wasserqualität auf höchstem Niveau voraussetzt.

Heute unterstützen wir die Stadtverwaltung bei der Verbesserung und Erweiterung der Ringsend-Kläranlage, um die Reinigungsqualität dauerhaft aufrecht zu erhalten, den Anforderungen bei wachsenden Bevölkerungszahlen gerecht zu werden und die neuen Richtlinien zu erfüllen. Laut Bob Gaudes, Projektmanager und Senior Vice President, war CDM Smith mit den dafür nötigen Behandlungstechniken vertraut und empfahl im Jahr 2005 erste Maßnahmen zur Geruchsbekämpfung. „Anhand von Proben und Modellen arbeiteten wir ein Konzept für die Verbesserung des Geruchskontrollsystems aus. In etwa zwei Jahren haben wir es erreicht die Geruchsbelästigung um 75 % zu reduzieren.“ Mit den derzeitigen Arbeiten sind die Maßnahmen zur Geruchsbekämpfung abgeschlossen. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 45 Mio. USD.

Erschwerte Bedingungen
Die baulichen Maßnahmen erhöhten die Kapazität der Ringsend-Anlage von 5,7 m³/s auf 7 m³/s (vergleichbar einer Steigerung von 1,6 Mio. auf 2,4 Mio. Einwohnergleichwerte). Die Herausforderung der Planung lag aber nicht allein in der Anlagenerweiterung. Laut EU-Abwasserrichtlinie gehört der Fluss Liffey zu den sensiblen Gewässern und dies machte die zusätzliche Reduzierung der Stickstoff- und Phosphorfracht nötig, bevor der Fluss in die Irische See mündet.

Da die Ringsend-Anlage in ihrer derzeitigen Form nicht in der Lage ist, die neuen Anforderungen zum Nährstoffentzug zu erfüllen, bewertete unser Team mehrere Verfahrensalternativen zur künftigen Abwasserbehandlung. Die beengten Platzverhältnisse der Anlage stellten unsere Ingenieure dabei vor die größte Herausforderung. Denn eine sofortige Entfernung der biologischen Nährstoffe in einer zusätzlichen Anlage wäre die am einfachsten zu realisierende Lösung gewesen. Der alternative Einsatz von Membranbioreaktoren schied aus wirtschaftlichen Gründen aus. Als mögliche Option wurde auch eine chemisch unterstütze Vorbehandlung kombiniert mit einem Belüftungssystem diskutiert. Jedoch hätte diese Lösung einen zusätzlichen Anfall von Klärschlamm über die bestehenden Kapazitäten hinaus nach sich gezogen und die Anlage hätte ebenfalls erweitert werden müssen.

Eine neue Perspektive
Unser Team bewertete vergleichbare Einleitbauwerke, unter anderem ein ähnliches Modell in Boston, das ebenfalls von CDM Smith geplant wurde. Die Auswirkungen des Projekts auf die Strandbereiche und das Watt waren ebenfalls zu prüfen. „Alles wurde gründlich durchdacht: Ein tiefes Einleitbauwerk und die Wasserableitung unter Einhaltung der dafür gesetzlich geforderten Nachbehandlungsstandards war unter Beachtung technischer, finanzieller und ökologischer Aspekte realisierbar,“ bemerkt Gaudes. Zusätzlich weist diese Alternative weniger Risiken als andere Lösungen auf. Die Stadt Dublin wird so auch bei der Umsetzung ihrer Ziele zur Nachhaltigkeit unterstützt, weil diese Lösung weniger Energie und Chemikalien erfordert, weniger Klärschlamm und Treibhausgase produziert und darüber hinaus einfacher zu betreiben und zu warten ist.

„Wir suchten einen ganzheitlichen Ansatz, um diese Herausforderung zu meistern und haben heute die optimale Lösung unter Einhaltung aller Standards der Wasserqualität gefunden,“ sagt Dermont Molphy, Projektingenieur bei der Stadt Dublin. Die Modernisierung der Ringsend-Kläranlage ist ein wichtiger Teil der „Greater Dublin Strategic Drainage Study“, die die nachhaltige Entwicklung Dublins in Zeiten des Wachstums unterstützen soll. „Wir wollen Projekte realisieren, die die Rechtsvorschriften Irlands und der Europäischen Union nicht nur erfüllen, sondern sie übertreffen und uns so für die Zukunft vorbereiten.“

Vertrauen der Öffentlichkeit
CDM Smith und die Stadt Dublin stehen im Zuge der Modernisierung, die voraussichtlich bis zum Jahr 2015 dauert, gemeinsam für die Öffentlichkeitsarbeit ein. Aktivitäten mit einzelnen Zielgruppen, eine Webseite und eine Broschüre unterstützen die Aufklärung in der Bevölkerung. „Wir haben eine Liste mit den am häufigsten gestellten Fragen entwickelt und ein Glossar mit Fachausdrücken erstellt, damit die Bewohner verstehen, was wir tun und welche Auswirkungen dies hat,“ erklärt Gaudes.

Im Winter 2011 wird das Team ganztägige Veranstaltungen in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen oder Gemeindezentren anbieten. Dort können sich die Teilnehmer über das Projekt informieren und Fragen stellen. Auf Schautafeln werden dieses und ähnliche Projekte wie in Barcelona, Lissabon, Miami, Los Angeles und Boston visualisiert und den Bewohnern verdeutlicht, dass die Lösung mit dem Einleitbauwerk eine erprobte Technik ist. Molphy hebt hervor, „Die Umwelt ist den Menschen von Dublin außerordentlich wichtig. Wir fühlen uns verantwortlich und versichern den Bürgern, dass wir die richtigen Entscheidungen für die Erhaltung der Dubliner Bucht treffen.“